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HaftkategorieHäftlingsnummerGeburtstag und -ortEinlieferungsdatum, Größe und GewichtEntlassungKrankengeschichte5T, 6T etc.3KL Musternummer Stempel Schutzimpfung

Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Revierkarte. Diese wurden in den Krankenrevieren in den Hauptlagern geführt. Es gibt sie in verschiedenen Farben und sie können handschriftlich oder mit einer Schreibmaschine beschrieben worden sein. Die einzelnen Revierkarten sind unterschiedlich ausführlich. Es gibt Karten, auf denen sich außer dem Namen und der Häftlingsnummer keine weiteren Informationen finden. Es gibt aber auch Revierkarten, die ganze Krankheitsverläufe nachzeichnen.

Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Revierkarte. Diese wurden in den Krankenrevieren in den Hauptlagern geführt. Es gibt sie in verschiedenen Farben und sie können handschriftlich oder mit einer Schreibmaschine beschrieben worden sein. Die einzelnen Revierkarten sind unterschiedlich ausführlich. Es gibt Karten, auf denen sich außer dem Namen und der Häftlingsnummer keine weiteren Informationen finden. Es gibt aber auch Revierkarten, die ganze Krankheitsverläufe nachzeichnen.

Hintergrundinformationen zu KZ-Dokumenten

Weitere Beispiele

Fragen und Antworten

  • Wo wurde das Dokument eingesetzt und wer hat es erstellt?

    Für die medizinische Versorgung von Häftlingen war in den Konzentrationslagern der Häftlingskrankenbau verantwortlich. Dort arbeiteten unter der Leitung von SS-Ärzten und unter Aufsicht des Revierkapos Häftlinge als Sanitäter*innen und Pfleger*innen. Diese verfügten oft nicht über das nötige medizinische Fachwissen. Erst ab 1939 wurden auch ausgebildete Ärzt*innen eingesetzt, die als Häftlinge ins Lager gekommen waren. Theoretisch gab es ambulante und stationäre Abteilungen, Tuberkulose-Abteilungen, Häftlingslabore, Augenambulanzen, Zahnärzte und Schonungsräume. Wie der Häftlingskrankenbau ausgestattet war und welche der Abteilungen tatsächlich existierten, unterschied sich aber von Lager zu Lager. Der Krankenbau wurde auch als Revier oder genauer als Häftlingsrevier bezeichnet. Dort füllten Funktionshäftlinge, die sogenannten Revierschreiber*innen, Revierkarten, Krankenblätter und Krankenbücher mit Angaben zu den Häftlingen und ihren Erkrankungen.

  • Wann wurde das Dokument verwendet?

    In den ersten Jahren ab 1933 wurden zunächst Krankenbücher in den Konzentrationslagern geführt. Später wurden dann vermehrt Revierkarten bei der Ankunft der Häftlinge im KZ erstellt. Entweder wurden die Neuankömmlinge direkt in das Revier geführt oder sie wurden in den ersten Tagen ihrer KZ-Haft dorthin gebracht. Dabei konnten mehrere Tage zwischen Einlieferung und Aufnahmeuntersuchung vergehen.

    Die Revierkarten, die es in unterschiedlichen Farben gibt, je nach dem welches Papier gerade zur Verfügung stand, wurden bis 1945 benutzt. In den KZ Buchenwald und Dachau wurden sie beispielsweise selbst in den letzten Kriegsmonaten noch ausgestellt. Zu diesem Zeitpunkt kamen massenweise Häftlinge aus geräumten Konzentrationslagern im Osten an. Die Angaben auf diesen späten Karten sind meist sehr knapp. Eine Untersuchung wie in früheren Jahren mit Aufnahme der Krankengeschichte fand nicht mehr statt. Es wurde nur noch der Beruf auf der Revierkarte notiert.

  • Wofür wurde das Dokument genutzt?

    Einer der letzten Schritte bei der Ankunft in einem Konzentrationslager war die Untersuchung der Häftlinge durch den Lagerarzt oder die Lagerärztin. Dabei legten die Revierschreiber*innen im Häftlingskrankenbau für die Häftlinge eine Revierkarte an, wenn sie sie nicht in Krankenbücher eintrugen. Wie entschieden wurde, wer eine Revierkarte erhielt und wer in ein Krankenbuch eingetragen wurde, ist heute nicht mehr bekannt. Auch ist schwer zu sagen, ob systematisch Häftlingsgruppen von der Untersuchung ausgeschlossen wurden.

    Wenn eine Revierkarte angelegt wurde, geschah dies bei der Erstuntersuchung. Häftlingsschreiber*innen vermerkten auf den Karten die persönlichen Daten und die Krankengeschichten der Neuankömmlinge. Die Revierkarten wurden auch von ihnen weitergeführt, wenn die Häftlinge noch einmal behandelt wurden. Bei jedem weiteren Besuch im Krankenrevier erhielt die oder der Kranke die Karte und musste sie bei der Untersuchung vorlegen. Die verantwortlichen Ärzt*innen trugen darauf Krankmeldungen und Diagnosen ein. Anhand der Karte entschieden sie auch, ob und wenn ja in welche Krankenstation ein Häftling aufgenommen wurde.

    Die Revierkarten wurden noch auf eine ganz andere Weise in den KZ verwendet: Auffällig oft nutzen Häftlingsschreiber*innen nicht mehr benötigt Revierkarten für andere Karteien. Wegen des allgemeinen Papiermangels schnitten sie die Karten klein und beschrieben sie neu.

  • Wie häufig ist das Dokument?

    Revierkarten sind im Archiv des ITS nur für wenige Häftlinge überliefert. Ein Schreiben der Amtsgruppe D des Wirtschafts-Verwaltungshauptamts, die für die Verwaltung der KZ verantwortlich war, legt nahe, dass nicht für alle Häftlinge eine Revierkarte ausgefüllt wurde. Stattdessen wurden viele von ihnen in sogenannte Krankenbücher eingetragen, um Papier zu sparen.

  • Was ist bei diesem Dokument zu bedenken?

    Die Revierkarten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die medizinische Versorgung in den Konzentrationslagern katastrophal war. Zu keinem Zeitpunkt gab es genügend Betten, Verbandsmaterial und Medikamente, um alle Kranken zu versorgen. Oft mussten sich Häftlinge die Krankenbetten teilen. Die allgemeine Schwäche und die Mangelernährung sowie die schwere körperliche Arbeit machten die Häftlinge in den Lagern anfällig für Krankheiten. Waren sie einmal erkrankt, dauerte es durch den Vitaminmangel lange, bis sie wieder gesund waren, und Wunden verheilten nur langsam. Manche Krankheiten wie Hungerödeme entstanden erst durch die schlechten Lebensbedingungen in den Lagern und waren weit verbreitet. Der Norweger Odd Nansen erinnert sich in seinem Tagebuch an ein Gespräch im KZ Sachsenhausen im Oktober 1943. Auf die Frage, woran seine Mithäftlinge gestorben seien, erhält er folgende Antwort: „Die meisten an Durchfall, Phlegmonen und Lungenentzündung. Sie kamen dann auf die sogenannte ,Ambulanz‘, und wenn sie nicht über 40 Grad Fieber hatten, bekamen sie nur einen Tritt und mußten weitergehen –. Wenn sie über 40 Grad Fieber hatten, bekamen sie ein paar Pillen oder etwas Ähnliches – vielleicht wurden sie auf das Revier gelegt – vielleicht mußten sie zum Block zurückgehen." (Odd Nansen: Von Tag zu Tag. Ein Tagebuch. Hamburg 1949, S. 51)

    Auch in den Krankenrevieren spielte die Häftlingskategorie eine wichtige Rolle, denn die verschiedenen Häftlingsgruppen wurden unterschiedlich behandelt. Daher ist die Kategorie auch auf den Revierkarten vermerkt. Speziell Jüdinnen und Juden war der Zugang zu medizinischer Versorgung nur schwer oder gar nicht möglich. Oft erhielten die Häftlinge eine Behandlung oder Medikamente nur, wenn sie Beziehungen zu einflussreichen Häftlingen hatten.

    Eine Aufnahme im Krankenrevier brachte zudem nicht immer die Rettung des kranken Häftlings. In den Krankenrevieren waren sie den Schikanen und der Gewalt der SS-Männer, der SS-Aufseherinnen und teils auch der Revierkapos ausgesetzt. Zudem herrschte eine hohe Ansteckungsgefahr. Viele Überlebende berichteten davon, dass das Krankenrevier ein besonderer Schreckensort war, denn in den Operationsräumen wurden Sterilisationen vorgenommen und Häftlinge wurden durch Giftspritzen (Phenolininjektion) oder durch das Spritzen von Luft getötet. Außerdem nutzen Ärzt*innen Kranke für Versuche. Der Historiker und Dachau-Überlebende Stanislav Zámečnik erinnert sich, dass bereits bei der Erstuntersuchung Häftlinge für Menschenversuche ausgewählt wurden. Zwischen 1941 und 1944 wurden zudem – im Rahmen der sogenannten Aktion 14f13 – Tausende kranke und damit nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge in den Revieren selektiert, um in den NS-Euthanasie-Anstalten Hartheim, Bernburg und Pirna-Sonnenstein ermordet zu werden. Es stellte also durchaus ein großes Risiko dar, sich im Revier krank zu melden.

    Doch es gibt auch die andere Seite: Vor allem politische Häftlinge, die in Lagern wie Buchenwald stark solidarisch organisiert waren, berichten davon, dass Revierkarten von den Häftlingsärzt*innen und -schreiber*innen bewusst falsch geführt wurden. Um Patient*innen zu retten, änderten sie Diagnosen, schrieben Gesunde krank oder stellten eine vermeintliche Transportunfähigkeit fest, wenn Deportationen in andere Lager angekündigt worden waren. Sollten gezielt Kranke ermordet werden, konnten die Schreiber*innen in manchen Situationen das Leben der Kranken retten, indem sie auf der Revierkarte ihren Gesundheitszustand schönten.

    Falls Sie weitere Hinweise zu diesem oder einem anderen im e-Guide vorgestellten Dokument haben, freuen wir uns daher sehr über Rückmeldungen an eguide(at)its-arolsen.org. Die Dokumentenbeschreibungen werden regelmäßig erweitert – und das gelingt am besten durch das gemeinsame Zusammentragen von Wissen.

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