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Häftlingspersonalkarte aus dem KZ Klooga

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KZ_5_ArbeitskommandoKZ_5_HäftlingsnummerKZ_5_GeburtsjahrKZ_5_OrtKZ_5_BerufKZ_5_Unteres freies FeldKZ_5_1/8 Revier 2/8 und Zeile darunter

Dieses Dokument ist eine Häftlingspersonalkarte, die im KZ Klooga in Estland erstellt wurde. Die im ITS-Archiv nur als mikroverfilmte Karten vorliegenden Dokumente sind sehr einheitlich aufgebaut. Größere Unterschiede finden sich nur im unteren Teil der Karte. Dort wurden Arbeitskommandos, Aufenthalte im Krankenrevier sowie Sterbe- oder Überstellungsdaten vermerkt.

Dieses Dokument ist eine Häftlingspersonalkarte, die im KZ Klooga in Estland erstellt wurde. Die im ITS-Archiv nur als mikroverfilmte Karten vorliegenden Dokumente sind sehr einheitlich aufgebaut. Größere Unterschiede finden sich nur im unteren Teil der Karte. Dort wurden Arbeitskommandos, Aufenthalte im Krankenrevier sowie Sterbe- oder Überstellungsdaten vermerkt.

Hintergrundinformationen zu KZ-Dokumenten

Weitere Beispiele

Fragen und Antworten

  • Wo wurde das Dokument eingesetzt und wer hat es erstellt?

    Eines der letzten Konzentrationslager, das die Deutschen errichteten, war das KZ Vaivara in Estland. Ab August 1943 wurden ca. 9000 Jüdinnen und Juden aus den aufgelösten Ghettos Kaunas und Vilnius dorthin deportiert. 2000 von ihnen kamen in das Außenlager Klooga, das bis zum Abzug der Deutschen im September 1944 bestand. Die jüdischen Frauen und Männer waren dort unter anderem eingesetzt beim Bau von Signalkästen und Feldbaracken, beim Anfertigen von Seeminen aus Beton, beim Gießen von Zementdeckenbalken und in Sägewerken der Organisation Todt.

    Vergleicht man die Häftlingspersonalkarten aus dem KZ Klooga, wird deutlich, dass sie – mit wenigen Ausnahmen – nur von einer Person ausgefüllt und aktualisiert wurden. In Klooga war der aus Vilnius stammende Häftling Josef NiedermannLagerschreiber. In dieser Position war er für alle wichtigen Schreibarbeiten im KZ verantwortlich und hielt die Informationen zu den Häftlingen in Übersichten und Karteien aktuell. Vermutlich fiel ihm daher auch die Aufgabe zu, die Häftlingspersonalkarten zu pflegen.

  • Wann wurde das Dokument verwendet?

    Das KZ Klooga bestand zwischen September 1943 und September 1944. Die Karten wurden für alle Häftlinge angefertigt, die bis Anfang September 1944 in Klooga inhaftiert waren. Wenige Tage vor der Ankunft der sowjetischen Armee wurden Häftlinge aus anderen Außenlagern und -kommandos nach Klooga gebracht, die nicht mehr per Schiff in andere Lager „evakuiert“ werden konnten. Am 19. September 1944 wurden fast alle Häftlinge des KZ Klooga bei einer Massenerschießung ermordet, nur wenigen gelang die Flucht.Das KZ Klooga bestand zwischen September 1943 und September 1944. Die Karten wurden für alle Häftlinge angefertigt, die bis Anfang September 1944 in Klooga inhaftiert waren. Wenige Tage vor der Ankunft der sowjetischen Armee wurden Häftlinge aus anderen Außenlagern und -kommandos nach Klooga gebracht, die nicht mehr per Schiff in andere Lager „evakuiert“ werden konnten. Am 19. September 1944 wurden fast alle Häftlinge des KZ Klooga bei einer Massenerschießung ermordet, nur wenigen gelang die Flucht.

  • Wofür wurde das Dokument genutzt?

    Das KZ Vaivara und dessen oft gleichgroßen Außenlager wie Klooga wurden in einer Zeit errichtet, in der die wirtschaftliche Ausbeutung der Häftlinge im Vordergrund stand. Im KZ Klooga arbeiteten die Häftlinge in drei Schichten von 3:00 Uhr morgens bis 21:00 Uhr abends für die Rüstungsindustrie und bauten vor allem kriegswichtige Betonminen und Feldbaracken. Zur Verwaltung der Gefangenen und ihrer Arbeitskraft wurden in der Lagerschreibstube auf den Häftlingspersonalkarten die wichtigsten Informationen zusammengeführt: persönliche Angaben wie Name und Geburtsjahr, ihre Berufe und die Arbeitskommandos, denen sie zugeteilt worden waren. Auch Aufenthalte im Krankenrevier oder eine Überstellung – meist nach Reval (heute Tallinn) – wurden vermerkt.

  • Wie häufig ist das Dokument?

    Für die meisten der ca. 2000 Häftlinge des KZ Klooga gibt es im ITS-Archiv Personalkarten. Es handelt sich dabei um Mikroverfilmungen. Bis auf wenige Meldungen aus dem Krankenbau sind die Häftlingspersonalkarten die einzigen Dokumente aus diesem Lager, die beim ITS erhalten sind. Karl Kiepfer, der als Hauptscharführer drei Monate im KZ Klooga eingesetzt gewesen war, erinnerte sich bei einer Vernehmung im Januar 1970 daran, dass er einen Befehl des Verwaltungsführers Otto Brenneis durchführte. Dieser hatte angeordnet, die dortigen Akten zu verbrennen. Daher gibt es aus dem KZ Klooga nur wenige Dokumente. Wie gerade die Häftlingspersonalkarten diese Aktion überstanden, ist nicht bekannt. Die Originalkarten werden heute im Eesti Riigiarhiiv, dem Estnischen Nationalarchiv, aufbewahrt.

  • Was ist bei diesem Dokument zu bedenken?

    Die Häftlinge des KZ Klooga wurden im Vergleich zu Inhaftierten anderer Konzentrationslager kaum überstellt oder zwischen Lagern und Außenkommandos hin und her transportiert. Es gab im Grunde genommen nur eine große Veränderung am 19. August 1944. Auf einigen Karten findet sich daher der Hinweis Ub 19/8 R. Dieser steht für den Transport von mindestens 250 weiblichen Häftlingen von Klooga nach Reval (Ub/UB=Überstellung, 19/8= 19. August und R=Reval). Die Gruppe wurde – höchstwahrscheinlich gemeinsam mit einigen Hundert männlichen Häftlingen aus Klooga – per Schiff von Reval (heute Tallinn) in das KZ Stutthof bei Danzig transportiert. Dies stellte jedoch eine Ausnahme dar, denn die meisten Häftlinge blieben die gesamten ca. zwölf Monate der Existenz des Lagers in Klooga.

    Falls Sie weitere Hinweise zu diesem oder einem anderen im e-Guide vorgestellten Dokument haben, freuen wir uns daher sehr über Rückmeldungen an eguide(at)its-arolsen.org. Die Dokumentenbeschreibungen werden regelmäßig erweitert – und das gelingt am besten durch das gemeinsame Zusammentragen von Wissen.

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